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Feminismus als Kampf — Frauen*streik

Veröffentlicht in Praxis am 08.03.2019


Die Sozialistin und Frauenrechtlerin Clara Zetkin initiierte die Einführung des internationalen Frauenkampftages bereits 1910 auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz. Er sollte dem Kampf für das allgemeine Frauenwahlrecht dienen. Dieser erste Schritt auf dem Weg zur formalen Gleichberechtigung stellte das wichtigste Anliegen der Frauenbewegung des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts dar. Doch auch ein Jahrhundert später sind wir noch weit von einer Gleichstellung der Geschlechter entfernt.

Der historische Kampf für das Frauenwahlrecht

Clara Zetkin (links) und Rosa Luxemburg auf dem Weg zum SPD-Kongress in Magdeburg 1910. (Wikipedia Commons)

Die Bewegung für das Frauenwahlrecht musste sich gegen massiven Widerstand durchsetzen. Eine große Mehrheit der männlichen Politiker lehnte die Gleichberechtigung mit dem Verweis auf die vermeintliche natürliche Verschiedenheit der Geschlechter ab. Der Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation hetzte, die Feministinnen seien nie zu voller Menschenblüte gelangt, und der Antifeminist Werner Heinemann bezeichnete die Einführung des Frauenwahlrechts sogar als nationalen Selbstmord. Auch einige Frauen stellten sich gegen die Gleichberechtigung. Violet Markham etwa vertrat die Position, dass Frauen und Männer nicht gleich, sondern unterschiedlich1 seien und Frauen deshalb keine politische Macht ausüben sollten.

Die Furcht vor der politischen Emanzipation der Frau führte zu vermehrter Repression. Die meisten deutschen Staaten schlossen Frauen nicht nur von den Wahlen aus, sondern untersagten ihnen jegliche politische Betätigung. Aber solche Verbote konnten die VorkämpferInnen des Frauenwahlrechts nicht aufhalten. Sie ignorierten Spott, Scheinargumente und Knüppel ihrer Gegner und gewannen schließlich überall in Europa den Kampf für das Frauenwahlrecht. Damit haben sie den Beweis erbracht, dass jede Forderung gegen den Widerstand der Patriarchen durchgesetzt werden kann, solange Frauen gemeinsam und solidarisch kämpfen.

Und heute?

Dass Frauen mittlerweile wählen dürfen, bedeutet aber nicht, dass Sexismus und Patriarchat der Vergangenheit angehören. Im Gegenteil: Im Schnitt verdienen Frauen 22 Prozent weniger Geld und übernehmen den größten Teil der unbezahlten Haus- und Pflegearbeit. Sie sind tagtäglich sexualisierter Gewalt und Diskriminierung ausgesetzt. Sexistische Unterdrückung und Ausbeutung sind allgegenwärtig.

Männer besetzen die gesellschaftlichen Führungspositionen und sind zugleich für den allergrößten Teil der sexuellen Übergriffe verantwortlich. Männer profitieren von den patriarchalen Herrschaftsverhältnissen. Diese Zustände erfordern Gegenwehr.

Feminismus ist mehr als Awareness

Photo by Cloe Simpson On Unsplash Ein Feminismus, der sich darin erschöpft, Männer freundlich darum zu bitten, doch ein bisschen weniger sexistisch zu sein, kann nicht erfolgreich sein. Heute wie vor 100 Jahren muss die Frauenbewegung Druck ausüben, um ihre Ziele durchzusetzen. Genau wie das Wahlrecht für Frauen müssen heute gleiche Bezahlung und ein Ende der Diskriminierung aktiv erkämpft werden. Deshalb unterstützen wir den internationalen Frauen*Streik, der heute, am 8. März, stattfindet. Auf der Website des Frauenstreiks wird beschrieben, mit welchen Aktionen dieser Streik verbunden ist:

Wir bestreiken am 8. März unwürdige Zustände, indem wir

… nicht zur Arbeit gehen.

… die Hausarbeit liegen lassen.

… andere nicht umsorgen und nicht für alle mitdenken.

… nicht zur Schule, Berufsschule oder Hochschule gehen.

… uns versammeln, austauschen und Pläne für unsere Zukunft schmieden.

… solidarisch mit allen streikenden Menschen sind.

Die Arbeit, die Frauen verrichten – und dazu gehört auch die unsichtbar gemachte, unbezahlte Care-Arbeit – muss sichtbar gemacht und als Mittel des politischen Kampfes genutzt werden. Erst wenn Frauen ihre Arbeit einstellen, werden Männer sehen, dass diese Arbeit überhaupt existiert. Dies wäre ein Anfang.


  1. Bush, Julia. British Women's Anti-suffragism and the Forward Policy, 1908-14. Women's History Review 11, no. 3 (2002): 431-54. 



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