Die Ideologie des Rassismus

Gegenstand

Der Rassismus ist eine Ideologie, welche die Existenz von Menschengruppen annimmt, die aufgrund von Abstammungsverhältnissen und genetischer Ausstattung spezifische angeborene Merkmale aufweisen. Diesen Merkmalen schreibt der Rassismus große Wirkmacht auch in den Bereichen des Politischen und Sozialen zu. Die in rassistischen Narrativa1 postulierten Menschengruppen werden oftmals als „Rassen“ oder „Völker“ bezeichnet, jedoch gibt es daneben auch einen impliziten Rassismus, der diese Schlagworte im Sinne einer politischen Strategie der Verschleierung bewusst vermeidet. Das Vorliegen von Rassismus zeigt sich nicht erst, wenn es zur direkten Diskriminierung von Personen kommt; bereits die Zuschreibung unterschiedlicher, auch positiver Merkmale und Eigenschaften aufgrund der Abstammung oder Hautfarbe einer Person ist als rassistisch einzuordnen.

Der Rassismus als Legitimationsideologie

Historisch betrachtet entstand der (moderne) Rassismus in der frühen Neuzeit. In diese Epoche fällt die Kolonisierung der Welt durch die europäischen Großmächte. Indem die Existenz verschiedener Rassen und die Überlegenheit der Europäer postuliert wurden, konnte die Unterjochung der Populationen kolonisierter Gebiete legitimiert werden. Im 19. Jahrhundert kursierte etwa das Schlagwort „White man's burden“, die „Last des weißen Mannes“. Darin drückte sich die Vorstellung aus, dass nichteuropäische bzw. nichtweiße Menschen zu zivilisatorischen Leistungen unfähig seien und aus diesem Grunde die Unterdrückung durch die Kolonialmächte nicht nur moralisch richtig, sondern gar wohltätig sei. Mit dem Verweis auf die angebliche Überlegenheit der „Weißen“ versuchte man schließlich nicht nur den Kolonialismus zu rechtfertigen, sondern auch die damit verbundene, barbarische Praxis der Sklaverei wurde durch rassistische Argumente gestützt. Menschen mit dunkler Hautfarbe wurden beispielsweise in den USA wie Gegenstände behandelt, weil sie nicht als Menschen, sondern als Mitglieder einer „niederen Rasse“ angesehen wurden.

Im Laufe der historischen Entwicklung begannen die AnhängerInnen der These von der weißen Überlegenheit damit, ihre Denkweise mit neuen Erkenntnissen aus der Biologie zu verbinden. Die rassistische Ideologie wurde im Lichte einer kruden und assoziativen Simplifizierung der Vererbungslehre und der Evolutionstheorie zur „Wissenschaft“ erhoben: Die „Rassenlehre“ als Teilbereich der Biologie war im 19. Jahrhundert international anerkannt. Erst nach dem Sieg über Nazideutschland waren derartige Projekte in der Wissenschaft zum größten Teil diskreditiert, doch impliziter und expliziter Rassismus existieren in Alltag und Politik weiter: Auch heute wird es als normal angesehen, wenn Staaten das „Blutsrecht“2 anwenden und sich als Vertreter einer bestimmten „Ethnie“ definieren.

Rassismus in der kapitalistischen Welt: Die Legitimierung der Ungleichheit
 
Auch wenn heutzutage in einem Großteil der Staaten das offene Propagieren von pseudowissenschaftlichen „Rassentheorien“ verpönt ist und die formale Gleichheit aller Menschen zumindest offiziell anerkannt wird, ist es allzu offensichtlich, dass bei einem Großteil der Menschen auch in den bürgerlich-demokratischen Staaten weiterhin rassistische Einstellungen und auch von Regierungen und PolitikerInnen implizit bis offen rassistische Statements geäußert werden. Das ist u.a. damit zu erklären, dass die ökonomischen Ursachen und Folgen des Rassismus keineswegs verschwunden sind. Die Menschen in Afrika, großen Teilen Asiens und Südamerikas sind im Durchschnitt erheblich ärmer als EuropäerInnen und (Nord-)AmerikanerInnen und leiden erheblich mehr unter den Folgen von katastrophalen Arbeitsbedingungen, Hunger, Klimawandel, Bürgerkriegen und Naturkatastrophen. Eine sachliche Analyse müsste diese Zustände den Folgen des Kolonialismus zuschreiben sowie einer Handelspolitik, die arme Staaten benachteiligt, Wettbewerbsnachteilen im globalen Kapitalismus und der Unterstützung neoliberaler und autoritärer Regime durch westliche Länder. Da es jedoch in den eher privilegierten Teilen der Welt eine Tendenz dazu gibt, bestehende Ungleichheiten und inhumane Lebensverhältnisse in anderen Teilen der Welt zwecks Erhaltung des eigenen Wohlstands und des guten Gewissens legitimieren zu wollen, wird teilweise versucht, diese Zustände angeblichen Charaktereigenschaften von Nicht-Weißen Menschen zuzuschreiben. Als Beispiel ließen sich etwa Mythen über angeblich arbeitsscheue AfrikanerInnen oder den Fleiß der ChinesInnen anführen. Dabei müsste jedem klar sein, dass die extrem langen Arbeitstage und katastrophalen Bedingungen in chinesischen Fabriken nichts mit „Chinesischem Fleiß“, sondern mit Diktatur und den Folgen einer nachgeholten frühkapitalistischen Entwicklung zu tun haben und sich die chinesischen ArbeiterInnen inzwischen mit massiven Streiks dagegen wehren.
Auch die Tatsache, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund in westlichen Ländern oft ärmer ist als der Rest, ist nicht zuletzt auf Diskriminierung und die Verweigerung von staatsbürgerlichen Rechten zurückzuführen. In Verkehrung von Ursache und Wirkung wird jedoch stattdessen versucht, die Schuld an dieser ökonomischen Ungleichheit den Menschen selber anzulasten, indem ihnen z.B. Integrationsunwilligkeit, ein angeblicher Unwille zu arbeiten oder eine kulturelle „Andersartigkeit“ unterstellt wird. So können EuropäerInnen und (Nord-) AmerikanerInnen ihre eigenen Privilegien und ihr diskriminierendes Verhalten legitimieren.

Versteckter Rassismus: Nationalismus, Kultur- und Integrationsdebatte

Eine subtilere Form von Rassismus findet sich in der sogenannten Integrationsdebatte wieder, die seit über 30 Jahren in nahezu allen westlichen Staaten geführt wird. Selbst bis weit ins Mitte-Links-Spektrum der politischen Parteien hinein ist regelmäßig die Behauptung zu hören, die Integration von MigrantInnen gelinge nicht richtig, weil die MigrantInnen angeblich an Kultur, Normen und Werten ihrer Herkunftsländer festhielten. In der Konsequenz werden dann z.B. Abschiebungen oder Sanktionen gefordert, wenn die MigrantInnen ihre Treue zur Bundesrepublik Deutschland (oder einem anderen Staat) nicht unter Beweis stellten. VertreterInnen solcher Ansichten vertreten häufig einen sogenannten „Verfassungspatriotismus“3 und sprechen sich oft vordergründig gegen Rassismus aus. Sie würden Behauptungen, dass das kritisierte Verhalten der MigrantInnen etwas mit deren Genetik oder gar mit „Rassen“ zu tun hätte, weit von sich weisen. Weshalb solch hohe Ansprüche aber nur an MigrantInnen (teilweise sogar noch an Nachkommen von MigrantInnen, die schon in Deutschland geboren wurden) aber nicht an die „autochthone“ Bevölkerung gestellt werden, erklären sie jedoch nicht. Viele Deutsche (nahezu alle Wähler rechter Parteien) vertreten „verfassungsfeindliche“ Ansichten und würden bei den diversen Integrationstests wahrscheinlich krachend durchfallen. Dass Forderungen nach Integration und Verfassungstreue aber nur an Menschen gestellt werden, die bestimmten Ethnien zugerechnet werden, beweist, dass es sich hierbei um Rassismus handelt.

Als Quintessenz lässt sich festhalten, dass jede Form von Nationalismus (auch die staatsbürgerliche Variante) das Recht auf Exklusivität für sich in Anspruch nimmt und definieren muss, wer zur Nation gehört und wer nicht. Der Ausschluss findet dabei fast immer über ethnische Kriterien statt. Der Unterschied zwischen völkischem und staatsbürgerlichen Nationalismus besteht somit lediglich darin, dass letzterer Mitgliedern anderer „Ethnien“4 in begrenzter Anzahl die Möglichkeit einräumt, StaatsbürgerInnen werden zu können, während ersterer dies von vorneherein ausschließt. Ein Nationalismus ohne Rassismus ist also in der gegenwärtigen Weltordnung nicht zu haben.

Kulturrelativismus, Ethnopluralismus und Gegenkulturalismus

Eine weitere Form des Rassismus ist der sogenannte Ethnopluralismus, der v. a. in rechtsradikalen Kreisen eine beliebte Vorstellung ist. Mit der Begründung, dass jedes „Volk“ seine eigene Lebensart habe und sich die verschiedenen „Völker“ deshalb nicht vermischen sollten, wird die Forderung nach einer „ethnisch“ reinen Nation gestellt. Der rassistische Gehalt einer solchen Ideologie ist offensichtlich. Sie verstößt gegen das universalistische Prinzip, dass alle Menschen unabhängig von der Herkunft substantiell gleiche Rechte haben müssen.5 Eine scheinbar progressive und tolerante Ideologie, die auch in linken Kreisen nicht unbeliebt ist, ist der Kulturrelativismus. Dieser fußt aber bei genauerem Hinsehen auf demselben Gedankenkonstrukt wie der Ethnopluralismus. Diese kulturrelativistische Weltanschauung hat ihre Wurzeln in der poststrukturalistischen Philosophie und vertritt kurz gesagt die Ansicht, dass die in nicht-westlichen Ländern und Kulturen übliche Lebenspraxis sowie kulturelle und religiöse Traditionen nicht nach gleichen Maßstäben beurteilt werden können wie deren Äquivalente in Europa oder USA, da im Westen ein Unverständnis anderer Gesellschaften und deren Lebensverhältnisse vorherrsche. In der Folge kommt es durch VertreterInnen dieser Weltanschauung in einzelnen Fällen zur ideologischen Legitimierung grausamster Verbrechen wie Genitalverstümmelung oder sexistischer Praktiken wie dem Tragen von Burkas. Hingegen fehlen denjenigen VertreterInnen des Kulturrelativismus, die der Legitimierung solcher Verbrechen entgehen wollen, hier die Argumente. Eine rational nachvollziehbare moralische Verurteilung solcher Verbrechen ist in Übereinstimmung mit den grundsätzlichen Überzeugungen des Kulturrelativismus nicht möglich. Ethische Überlegungen müssen ersetzt werden durch systematisch willkürliche Ausnahme und das eigene Bauchgefühl.

KritikerInnen solcher Praktiken wird durch VertreterInnen des Kulturrelativismus hingegen häufig Rassismus vorgeworfen. Die VertreterInnen des Kulturrelativismus sind in vielen Fällen selbst engagierte KämpferInnen gegen Rassismus und haben sicher nicht dieselben Absichten wie etwa Neonazis oder Identitäre. Trotzdem ist ihnen entgegenzuhalten, dass diese Theorie in letzter Konsequenz dazu führt, dass Individuen aufgrund ihrer „ethnischen“ Zugehörigkeit oder Herkunft unterschiedliche Rechte zugestanden werden, eine konsequente Verurteilung diskriminierender Praktiken deshalb nicht möglich ist und sie sich scheinbar selbst nicht ganz von rassistischem Denken gelöst haben.

Eine weitere Strömung, die in linken und antirassistischen Kreisen kursiert, könnte als „Gegenkulturalismus“ bezeichnet werden. Ihre Wurzeln liegen schon in den 1960er Jahren. Die „Nation of Islam“ des amerikanischen Bürgerrechtsaktivisten Malcolm X könnte als frühes Beispiel angeführt werden. Eine detaillierte Analyse solcher und ähnlicher Gruppen würde den Rahmen dieses Textes sprengen. Zusammenfassend kann aber festgehalten werden, dass ihnen die Grundannahme gemeinsam ist, das die vorherrschende Kultur der westlichen Länder (also v.a. der ehemaligen Kolonialmächte) eine Kultur der weißen UnterdrückerInnen ist und dass zur Befreiung von Rassismus und (Neo-)Kolonialismus, eine Art Gegenkultur der Unterdrückten (also v.a. der Nicht-Weißen) erschaffen werden muss. Dies hat allerdings in vielen Fällen zur positiven Bezugnahme auf religiöse und kulturelle Praktiken in Entwicklungs- oder Schwellenländern geführt, die keineswegs als emanzipatorisch anzusehen sind. Außerdem muss festgehalten werden, dass Kultur, Tradition und Religion in vielen Fällen lediglich der lebensweltliche Ausdruck des von Kolonialismus und Kapitalismus verschuldeten materiellen Elends in Entwicklungsländern und kein positiver Gegenentwurf zu dessen Ursachen sind. Materialistische Gesellschaftskritik zielt schließlich auf die Abschaffung von Armut und Elend ab und nicht auf deren Glorifizierung.

Alltäglicher Rassismus

Ein großer Teil aller Menschen weltweit hat rassistische Vorstellungen und Stereotype verinnerlicht und wendet diese in sozialen Interaktionen an. Menschen, die beispielsweise aufgrund ihres Aussehens oder ihrer Sprache als Mitglieder einer anderen „Rasse“ oder „Ethnie“ identifiziert werden, werden oftmals massiv diskriminiert und angefeindet. Ihnen wird der Zugang zu Mietwohnungen, Arbeitsplätzen, Freizeit- und Bildungseinrichtungen erschwert, sie werden mit Vorurteilen, Stereotypen und ausgrenzendem Sprachgebrauch konfrontiert. Dieser alltägliche Rassismus hat massive Auswirkungen auf die materielle Wohlfahrt und die psychische und physische Gesundheit der betroffenen Menschen.

Der sogenannte „Institutionelle Rassismus“ spielt dabei eine nicht unerhebliche Rolle: Als „Nicht-Deutsch“ identifizierte Menschen sind seitens der Behörden oft massiven Schikanen ausgesetzt. Dies wird u.a. dann deutlich, wenn etwa die Polizei rassistische Fahndungsmethoden wie das „Racial Profiling“ anwendet oder Menschen mit unsicherem Aufenthaltsstatus schon wegen banaler Delikte massive Repressionen oder gar Abschiebungen angedroht werden. Als besonders schockierendes Beispiel wären etwa die NSU-Ermittlungen zu nennen, wo Polizei und Verfassungsschutz trotz klarer Indizien die auf Nazis als Täter hinwiesen, lange Zeit nur in der türkischen Community ermittelten. Die Behörden sahen es ohne überzeugenden sachlichen Grund als gegeben an, dass die Täterinnen aus dem „gleichen Milieu“ kommen wie die Opfer.

Auch eine selektive Berichterstattung in führenden Medien fördert oft rassistische Stereotype; so sind v.a. in Berichten über schwere Gewalt- oder Sexualverbrechen, als „Ausländer“ bezeichnete Menschen im Verhältnis zu deren tatsächlichem statistischen Anteil an solchen Taten klar überrepräsentiert. Diese Art der Berichterstattung führt bei den KonsumentInnen von Massenmedien oft zu einer verzerrten mit falschen Verallgemeinerungen behafteten Weltanschauung, in der etwa „Ausländer“ mit Kriminalität assoziiert werden. Oft wird versucht, solche Stereotype mit vermeintlich wissenschaftlichen Argumenten zu belegen. So werden gerne Studien zitiert, die angeblich nachweisen, dass „Ausländer“ häufiger kriminell seien als „Nicht-Ausländer“. Dabei werden oft höchst relevante Teile der Ergebnisse verschwiegen: Es wird seit Jahren darauf hingewiesen, dass die vermeintliche Überrepräsentation von „Ausländern“ in der Kriminalstatistik der Tatsache geschuldet sind, dass diese im Durschnitt ärmeren Bevölkerungsschichten angehören und außerdem Delikte wie „Verstoß gegen das Ausländergesetz“ mitgerechnet werden, die per definitionem nur von „Ausländern“ begangen werden können und somit die Statistik verzerren.

Sozialpsychologische Ursachen

Der Rassismus dient vielen Menschen zur Aufwertung des eigenen Selbstwertgefühls durch die Herstellung einer positiv konnotierten kollektiven Identität. Die Herstellung dieser Identität impliziert notwendigerweise die Abgrenzung nach außen hin: Damit das „Wir“ existieren kann, muss es einen Kreis von Personen geben, der nicht dazu gehört. Gerade Personenkreise, die aus wirtschaftlichen, historischen oder ideologischen Gründen unter Minderwertigkeitskomplexen leiden, sind anfällig für rassistisches Denken.

Generell gilt, dass „nichtweiße“ Menschen von rassistischen Alltagserfahrungen stärker betroffen sind als Personen, die als „weiß“ identifiziert werden. Gleichzeitig muss betont werden, dass Rassismus auf allen Kontinenten existiert und Personen oder Gruppen, die einerseits Opfer rassistischer Praktiken sind, nicht selten selbst rassistische Vorurteile gegenüber anderen Personen und Gruppen hegen.

Doch es gibt weitere psychische Mechanismen, die das Entstehen von Rassismus verursachen bzw. begünstigen. Eine besondere Rolle spielt dabei ein psychischer Abwehrmechanismus, die sogenannte Projektion. Als unangenehm, unmoralisch oder generell nicht wünschenswert eingestufte Charaktereigenschaften, Bedürfnisse und psychische Dispositionen werden auf andere Personen oder Gruppen übertragen, um sie zu verdrängen und von sich zu weisen. Aus dieser Perspektive betrachtet ist es kein Wunder, dass der Vorwurf, bestimmte „Ethnien“ würden zu sexuellen Übergriffen neigen, vor allem von Männern vorgebracht und reproduziert wird.

Weiterhin erfüllt der Rassismus das weit verbreitete Bedürfnis nach einfachen Erklärungen. Indem die Welt in verschiedene „Rassen“, „Völker“ oder „Ethnien“ mit bestimmten Eigenschaften aufgeteilt wird, erscheint sie weniger komplex und leichter fassbar. Das Zusammenspiel ökonomischer, soziologischer, psychologischer und politischer Faktoren kann zugunsten simpler Charakterisierungen und Stereotype ignoriert werden.

Es sei an dieser Stelle auch darauf hingewiesen, dass Rassismus oft auch unbewusst reproduziert wird und auch Linke und Antifaschistinnen nicht automatisch frei von ihm sind. Dies kann sich sowohl in ungewollt abwertendem Verhalten gegenüber MigrantInnen als auch in vermeintlich positiver Bezugnahme auf fremde und exotische Kulturen niederschlagen.

Auch Xenophobie kann als weit verbreitetes Teilphänomen rassistischen Denkens angesehen werden. Die diffuse Angst vor allem Fremden und Neuen wird als Bedrohung der jeweils eigenen Tradition und Lebensweise angesehen und ist besonders dort stark verbreitet, wo Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft nur wenig Kontakt mit MigrantInnen haben. Dagegen führt eine regelmäßige Interaktion mit einer höheren Wahrscheinlichkeit dazu, dass eine Dissonanz zwischen den eigenen Vorurteilen und den persönlichen Erfahrungen entsteht, was zu einem Abbau xenophoben Denkens führen kann.

Positionierung

Wir positionieren uns gegen jede Form des rassistischen Denkens und Handelns. Der Rassismus generiert Leid bei denjenigen, die auf seiner Grundlage diskriminiert, ausgeschlossen oder gar ermordet werden. Er steht in direktem Widerspruch zu einer rationalen und der Wirklichkeit entsprechenden Sichtweise auf die Welt und stellt ein massives Hemmnis für die Entwicklung globaler Solidarität dar.

Die Bekämpfung des Rassismus ist auf zwei Ebenen notwendig: Auf der einen Seite direkt und unmittelbar, auf der anderen Seite als Bekämpfung seiner Ursachen. Ersteres bedeutet, rassistische Äußerungen, Handlungen und Theorien anzuprangern, zu widerlegen und, wenn möglich, zu verhindern. Dies impliziert nicht nur die Intervention in Öffentlichkeit und Alltag, sondern auch die Solidarität und Zusammenarbeit mit den Opfern des Rassismus. Letztendlich muss der Rassismus durch weitläufige Bildungs- und Agitationskampagnen widerlegt, diskreditiert, verdrängt und zerschlagen werden. Gruppen und Personen, welche die Verbreitung rassistischer Vorstellungen betreiben, müssen abhängig vom gesellschaftlichen Kräfteverhältnis auf die jeweils effizienteste Art und Weise bekämpft werden. Hegemoniale, mediale, legale und gewaltsame Mittel müssen dabei geschickt miteinander kombiniert werden.

Um die sozialpsychologischen Grundlagen des Rassismus effektiv aus der Welt zu schaffen, ist eine Reorganisation von Ökonomie, Politik und Bildungswesen notwendig. Minderwertigkeitskomplexe, Projektionen und das Bedürfnis nach einfachen Erklärungen müssen so weit wie möglich aus der psychischen Struktur der Menschen verbannt werden. Nur eine Gesellschaft mit hohem Bildungsniveau, frei von Grenzen und Nationalstaaten, kann ganz von der gefährlichen Ideologie des Rassismus befreit sein. Des Weiteren muss durch wohnungs- und verteilungspolitische Maßnahmen die Durchmischung der Bevölkerung gefördert werden, um xenophobe Stereotype abzubauen.

Auch kulturrelativistische und gegenkulturalistische Vorstellungen lehnen wir klar ab, da sie zum Teil, trotz guter Absichten, dazu beitragen, rassistische Ideologie zu reproduzieren. In nicht wenigen Fällen können hier allerdings (anders als bei überzeugten RassistInnen) Dialog und Diskussionen weiterhelfen. Menschen, die prinzipiell die Absicht haben, Rassismus zu bekämpfen und dabei selbst ungewollt selbst rassistische Stereotype oder Ideologie reproduzieren, lassen sich eher durch rationale Argumente überzeugen als solche, die ihren Rassismus mit voller Absicht zur Schau stellen.


  1. Ein Narrativum ist eine Erzählung bzw. eine Deutung des Geschehens in Erzählform.

  2. Während das „Recht des Bodens“ (ius soli) all jenen, die auf dem Staatsgebiet geboren worden sind, die Staatsbürgerschaft garantiert, ist nach dem „Blutsrecht“ jedes Kind eines Staatsbürgers ebenfalls ein solcher.

  3. Der Begriff Verfassungspatriotismus wird meist äquivalent zu dem Begriff „Staatsbürgerlicher Nationalismus“ verwendet und beschreibt die Idee, dass die Zugehörigkeit zur Nation nicht über Abstammung, sondern über das Bekenntnis zur Nation und deren politischen System definiert werden sollte.

  4. Die Anführungszeichen sollen deutlich machen, dass Begriffe wie „Ethnie“, „Volk“ oder „Rasse“ irrationale Konstrukte sind, die wir daher nur in der Zitatform verwenden.

  5. Vgl. Universalismustext unseres PSV