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Workshop: Modernity and Antimodernity

Published in Praxis on 18.03.2019


Am 30. und 31. März 2019 findet an der Alten VHS (Kasernenstraße 50) in Bonn der kostenlose Theorieworkshop „Moderne und Antimoderne“ statt, der durch die Gruppe ADH (Association for the Design of History) organisiert wird.

Am ersten Workshoptag wird es Vorträge und Diskussionen zu den Themen Moderne und Antimoderne geben. Am zweiten Tag wird die Frage diskutiert werden, ob ein neues, neomodernes Paradigma die Postmoderne ablösen kann und soll, und worin dieses besteht. Zudem werden wir über die Möglichkeiten progressiver Politik und eine mögliche Neuorientierung der politischen Linken sprechen.

Auf der Seite der ADH findet ihr hier vorab bereits das Programm und könnt schauen, welche Vorträge euch besonders interessieren. Weitere Informationen finden sich auf der offiziellen Tagungsseite.


Kurzprogramm

Samstag, 30. März 2019

12.00 -- 13.30 | Anatomie der Moderne

14.00 -- 15.30 | Die Moderne am Beispiel der Kunst: die Avantgarde

14.00 -- 15.30 | Adorno - reflektierende versus herrschende Vernunft

16.30 -- 18.00 | Gegenstoß: die Antimoderne

18.30 -- 2.00 | Antimodernismus in der Medizin

18.30 -- 20.00 | Moderne Antimoderne? -- Mengele, von Braun, Morell

Sonntag, 31. März 2019

11.00 -- 12.30 | Das neomoderne Programm

13.30 -- 15.00 | Regression und Progression. Riots als Teilelement prometheischer Politik

13.30 -- 15.00 | Humanisierung der Natur oder Flucht vor der Vernunft

15.30 -- 17.00 | Plädoyer für eine prometheische Politik


Abstracts

Anatomie der Moderne

Der Historiker Eric Hobsbawm sprach von der „doppelten Revolution“: die politischen und industriellen Revolutionen des späten 18. und 19. Jahrhunderts schufen eine neue Welt. Die Moderne zeichnet sich durch Maschinenproduktion, den Wettstreit politischer Weltanschauungen und den Aufstieg der Wissenschaften aus. Der erste Vortrag des Workshops widmet sich dem Zusammenhang von Ökonomie, Politik und Mentalität der Moderne.

Die Moderne am Beispiel der Kunst: die Avantgarde

[coming soon]

Adorno - reflektierende versus herrschende Vernunft

Der Weg von Aufklärung und Moderne in den Faschismus ist Thema der „Dialektik der Aufklärung“. Vor dem historischen Kontext des marxistisch orientierten „Institut für Sozialforschung“ und des Exils in den USA wird die Theorie der Dialektik der herrschenden Vernunft nachgezeichnet. Die von Adorno und Horkheimer dagegengesetzte reflektierenden Vernunft als Rettung vor der Barbarei nimmt dabei einen modernistischen Standpunkt gegenüber Ethik und Wahrheit ein. Geht es ohne diesen überhaupt?

Gegenstoß: die Antimoderne

Im 20. Jahrhundert geriet das fortschrittsoptimistische Denken des Modernismus in eine Krise. Kriege, Krisen und gebrochene Versprechen diskreditierten nicht nur die „großen Erzählungen“ von Liberalismus und Sozialismus, sondern erschütterten auch den Glauben an Vernunft, Wissenschaft und Technologie. Antimoderne Weltanschauungen wie der Faschismus gewannen an Boden – mit fatalen Konsequenzen.

Antimodernismus in der Medizin

Warum gibt es vermehrt antimodernes Denken in der Medizin, und welche Auswirkungen hat diese Entwicklung? Welche Pseudoargumente stecken hinter der „Alternativmedizin“ und wie kann diesen begegnet werden? Diese Fragen werden anhand der Beispiele Homöopathie, ImpfgegnerInnen und Konzepten der Anthroposophie sowie „Neuer Germanischen Medizin“ diskutiert.

Moderne Antimoderne? -- Mengele, von Braun, Morell

Bei Indiana Jones jagen sie den Heiligen Gral, in Marvel-Filmen haben wir sie als „Hydra“ kennengelernt: Nazi-WissenschaflerInnen, die – sadistisch, irrsinnig und vom Okkulten besessen – mit seriöser Forschung nichts gemein haben.

Auch von wissenschaftlicher Seite (z.B. Eric Kurlander; 2017) wird antimodernes Denken, bzw. „supernatural thinking“, als Grundströmung des Nationalsozialismus untersucht.

Das neomoderne Programm

Ist die Postmoderne vorbei? Gibt es wieder eine Zukunft? Ist es möglich, der Moderne ein Update zu verschaffen, das die historischen Verfehlungen der klassischen Moderne vermeidet? Kann der universalistische, rationale Anspruch der Moderne gerettet werden, und zugleich die Kritik postmoderner Strömungen, etwa an Autoritarismus, fehlender Reflexion und Exklusion gewissenhaft reflektiert werden? Diese Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren.

Regression und Progression. Riots als Teilelement prometheischer Politik

Seit einer Dekade wird die als friedliche Bastion der Zivilisation mythisierte westliche Welt vermehrt von politischem Protest höchster Eskalationsstufe heimgesucht: Riots werden zunehmend zu einem Problem der verfassten westlichen Demokratien. Während die bisherige Forschung zu Riots insofern falsch liegt, als dass es sich bei aufrührerischen Menschenmengen keinesfalls um irrationale Wahnsinnige handelt, wie es Gustave Le Bon in seinem Hauptwerk La Psychologie des Foules noch zu belegen gesucht hatte, sind Riots in der Tat regressiv und nicht in der Lage, positive Zukunftsideen zu entwickeln. Nichtsdestotrotz können Riots aus einer strukturellen Perspektive ein notwendiger Teil einer erfolgreichen politischen Transformation sein — sofern sie durch eine strategische Komponente in Form prometheischer Politik austariert werden.

Der Vortrag beschäftigt sich zunächst mit einer Geschichte der Riot-Forschung seit Ende des 19. Jahrhunderts und belegt im Anschluss anhand der arabischen Revolution von 2011 sowie den französischen Gilets Jaunes, warum Riots ohne politische Perspektive tendenziell zu gesellschaftlichem wie politischen Rückschritt führen können.

Humanisierung der Natur oder Flucht vor der Vernunft

Während unter Schlagwörtern wie „Ökologie“ oder „Naturschutz“ Angst, Krise und sogar Lust an der Katastrophe schwingen, Technologie fast universell als Hybris der Menschheit akzeptiert wird, die ihren baldigen Untergang besiegelt, wachsen die technischen Möglichkeiten gerade für den menschenwürdigen, nicht zerstörerischen Stoffwechsel mit der Natur. Die Linke entwaffnet sich jedoch selbst, wenn sie dieses Potential in der Entwicklung der Produktivkräfte nicht zumindest prüft. Wie anhand der Feindschaft gegen Biotechnologie zu zeigen ist, verfällt diese Linke in antimoderne Ressentiments, mit einer Verherrlichung von Scholle, Heimat und Unmittelbarkeit, die einen völkischen Romantiker zu Tränen gerührt hätte. So bleibt ihr nur die Option, als ökologisch reaktionäre Splittergruppe in die Isolation zu gehen, oder von der Staatskunst überrollt zu werden.

Plädoyer für eine prometheische Politik

Wenn ein neomodernes Projekt die Apathie des kapitalistischen Realismus überwinden soll, muss die Zukunft zurückerobert werden. Dafür braucht es eine Neuorientierung progressiver Politik. Im letzten Vortrag des Workshops werden wir einen Vorschlag präsentieren, wie eine politische Praxis aussehen könnte, die wieder in die Offensive geht und Hoffnung schafft, statt wie die gegenwärtige Linke in einem Sumpf aus Pessimismus und Abwehrkämpfen zu versinken.



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