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Struggles in the healthcare sector

Published in Praxis on 16.02.2019


by NetCom

Um unserem Anspruch als Plattform für Transformation gerecht werden zu können, genügt es nicht, nur Analysen der aktuellen gesellschaftlichen Zustände zu liefern und unsere theoretischen Erkenntnisse und Vorstellungen über eine zukünftige Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung zu verbreiten. Auch das Aufzeigen eines Auswegs aus der oftmals hoffnungslos erscheinenden gesellschaftspolitischen Situation in Zeiten des neoliberalen Kapitalismus ist für eine gelingende Transformation notwendig. Dieses Aufzeigen muss dabei auch praktische Elemente beinhalten und kann nicht nur in unseren Köpfen oder auf dem Papier vollzogen werden. Aus diesem Grund vernetzen wir uns mit anderen AkteurInnen und unterstützen soziale Kämpfe durch unsere praktische Beteiligung. So wollen wir dazu beitragen, dass soziale Kämpfe, nach Jahren voller Niederlagen, wieder gewonnen werden und die Lebenssituation der Menschen durch konkrete politische Veränderungen verbessert wird. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Hoffnung und der Kampfgeist der Menschen vor allem dann wachsen werden, wenn sie erleben, dass ihr politisches Wirken zu konkreten Verbesserungen ihrer Lebensumstände führt. Da unser Programm allerdings sehr umfassend ist und unsere Ressourcen beschränkt sind, verfolgen wir in unserer Praxis eine klare Strategie: Wir agieren konzentrisch!

Das bedeutet, wir konzentrieren unsere personellen, infrastrukturellen und finanziellen Ressourcen auf wenige Kämpfe, anstatt an allen Fronten gleichzeitig zu kämpfen.

Wanrstreik von ver.di vor der Uniklinik Köln am 12. Februar 2019 (Foto: privat)

Aktuell ist unser Hauptaktionsfeld das Gesundheitswesen in Deutschland. Hier agieren wir als Teil der Bündnisse für mehr Personal im Krankenhaus/Gesundheitswesen in Düsseldorf und Köln. Mit den Bündnissen organisieren wir Veranstaltungen und Infostände, die über die Arbeits- und Versorgungssituation in den deutschen Krankenhäusern und deren politische Ursachen informieren. Wir unterstützen die Streikaktivitäten der Beschäftigten u. a. durch Öffentlichkeitsarbeit und indem wir an Streiktagen vor Ort Präsenz zeigen. Dort helfen wir, die KollegInnen zu mobilisieren und sorgen bei PatientInnen und Angehörigen für Aufklärung. Darüber hinaus agieren wir mit den Bündnissen als Teil einer bundesweiten Vernetzungsstruktur für Entlastung des Krankenhauspersonals, an der sich bereits mehr als zwanzig regionale Bündnisse beteiligen.

Der **Olympische Brief** vor der Kölner Uniklinik (Foto: privat)

Im Januar 2019 haben diese Bündnisse gemeinsam die Aktion Olympischer Brief ins Leben gerufen, bei der ein Brandbrief mit den Kernforderungen der Bündnisse – wie das olympische Feuer – quer durch die Krankenhäuser der gesamten Republik getragen wird. Die wichtigste Forderung des Briefes ist eine am Bedarf orientierte, gesetzliche Personalbemessung in Krankenhäusern. Ziel des Briefs ist es, durch möglichst viele Unterschriften vom Krankenhauspersonal, von PatientInnen, Angehörigen und AktivistInnen Druck auf die GesundheitsministerInnen auszuüben, an die der Brief bei ihrer Konferenz Anfang Juni 2019 in Leipzig übergeben wird. Bis dahin rollt die mittlerweile mehr als 60 Meter lange Papierrolle, die auf die so genannte olympic letter machine gespannt ist, über die Krankenhausflure der Bundesrepublik. Mit unserer Hilfe hat sie zuletzt den Weg von Jena nach Köln und Düsseldorf gefunden und sich hier weiter mit vielen hunderten von Unterschriften gefüllt. Der **Olympische Brief** in der Düsseldorfer Uniklinik ((Foto: privat))

Wir halten diese Aktion vor allem deshalb für eine Praxis, die zum Transformationsprozess beitragen kann, weil sie Menschen physisch zusammenbringt und ihnen vor Augen führt, dass sie in ihren Kämpfen nicht alleine sind und sich miteinander verbünden müssen, um etwas zu erreichen.

Wir hoffen, durch unsere praktische Intervention in gesellschaftliche Auseinandersetzungen zu sozialen Verbesserungen beizutragen - und unsere Ressourcen als Plattform in Zukunft zu vermehren, sodass wir progressive Kämpfe noch effektiver unterstützen können.



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